Seit dem 1. September hat Vietnam begonnen, inaktive oder nicht regelkonforme Bankkonten zu schließen. Grund dafür ist die Einführung einer verpflichtenden Gesichtserkennung. Laut den Behörden sind mehr als 86 Millionen der rund 200 Millionen bestehenden Konten betroffen, sofern deren Inhaber keine biometrische Verifizierung vorgenommen haben oder die Konten seit längerer Zeit eingefroren sind.
Darüber hinaus ist die Gesichtserkennung jetzt verpflichtend für Online-Überweisungen über 10 Millionen VND (ca. 379 US-Dollar) und für Transaktionen, die an einem Tag insgesamt 20 Millionen VND übersteigen. Wer die Anforderungen nicht erfüllt, riskiert die endgültige Schließung seines Kontos.
Teil einer umfassenderen „Cashless“-Strategie
Die ersten Benachrichtigungen gingen bereits im Sommer raus, mit einer schrittweisen Umsetzung ab September und weiteren Anpassungen im Herbst. Das Vorgehen ist Teil einer Strategie der vietnamesischen Zentralbank, die Betrug und Identitätsdiebstahl im digitalen Zahlungsverkehr reduzieren soll. Insbesondere in Zeiten von Deepfakes gilt die biometrische Authentifizierung als Schlüsseltechnologie für mehr Sicherheit.
Kampf gegen KI-gestützte Finanzbetrüger
Ein weiterer Grund für die Maßnahme ist die Zunahme von Betrugsfällen durch künstliche Intelligenz. Ende Mai zerschlug die Polizei ein Netzwerk, das KI-generierte Gesichtsscans nutzte, um Bankkontrollen zu umgehen – dabei sollen über eine Billion VND gewaschen worden sein. Dieser Fall gilt als Auslöser für die Verschärfung der KYC-Vorgaben.
Vietnam just froze 86m bank accounts because account holders didn't comply with new biometrics laws that require a face scan or fingerprint for account verification.
If users don't comply by the 30th they'll lose their money. This is why we bitcoin. https://t.co/hIK30vn1XR
— Marty Bent (@MartyBent) September 18, 2025
Erste Daten deuten darauf hin, dass die Einführung der Biometrie zu einem Rückgang gemeldeter Betrugsfälle beigetragen hat. Auch wenn ein direkter Zusammenhang schwer zu beweisen ist, stützt dieses Argument die offizielle Linie der Regierung.
Betroffene: vor allem Ausländer und inaktive Konten
Die Auswirkungen auf die Bevölkerung sind unterschiedlich. Viele aktive Bankkunden konnten ihre biometrischen Daten problemlos bestätigen. Härter getroffen sind hingegen ausländische Kontoinhaber oder Vietnamesen im Ausland, die für die Gesichtserkennung persönlich in eine Filiale zurückkehren müssten.
Vietnam’s central bank just initiated closure of >86 million bank accounts starting Sept 1
All the accounts close lack the user biometric information which gives the central bank next-gen financial surveillance ability
The official reason for closures: „to prevent fraud“ 🤔 pic.twitter.com/YwKxTsRyJ6
— Daniel Batten (@DSBatten) September 17, 2025
Auch technische Hürden wie die Verknüpfung lokaler Telefonnummern mit OTP-Codes oder die Synchronisierung von E-Wallets mit Bankkonten sorgen für zusätzliche Friktionen. Diese Herausforderungen geben Befürwortern von Bitcoin und Self-Custody Auftrieb: Wer seine privaten Schlüssel selbst verwaltet, bleibt unabhängig von biometrischen Kontrollen oder Bankauflagen.
Bitcoin als Ausweg – oder trügerische Hoffnung?
Für viele Krypto-Enthusiasten zeigt der Fall Vietnam, wie schnell der Zugang zu Ersparnissen von staatlichen Vorgaben abhängig gemacht werden kann. Im Gegensatz dazu ermöglicht die direkte Verwahrung digitaler Vermögenswerte, sich diesen Regeln zu entziehen.
Doch auch diese „Flucht in Bitcoin“ hat Schattenseiten: die sichere Verwaltung der Krypto Wallets, die hohe Marktvolatilität und die Notwendigkeit, regelmäßig wieder in Fiat-Währung zu wechseln. Ob Bitcoin also ein echter Ausweg oder nur ein ideologisches Narrativ bleibt, hängt stark vom jeweiligen Nutzerprofil ab.
Fazit: Sicherheit versus finanzielle Freiheit
Mit der Kombination aus biometrischer Pflicht und massiver Konto-Schließung verändert sich die Landschaft des vietnamesischen Bankwesens grundlegend. Zwischen Betrugsbekämpfung und dem Recht, frei über das eigene Geld zu verfügen, ist eine hitzige Debatte entstanden. Die zentrale Frage bleibt: Wo liegt im digitalen Zeitalter das Gleichgewicht zwischen Sicherheit, Inklusion und finanzieller Autonomie?
