Der französische Krypto-Hardwarehersteller Ledger hat am 23. Oktober eine neue Multisignatur-Anwendung (Multisig-App) vorgestellt, die als technischer Fortschritt zur Stärkung der Sicherheit beworben wurde. Doch statt Begeisterung erntet das Unternehmen massiven Gegenwind – vor allem wegen des umstrittenen Gebührenmodells.
Die neue Anwendung soll es Nutzern ermöglichen, mehrere Signaturen in einer zentralen Verwaltungsoberfläche zu koordinieren, um die Verwaltung digitaler Vermögenswerte für Unternehmen und Privatanwender sicherer zu gestalten. Allerdings erhebt Ledger für jede Transaktion eine feste Gebühr von 10 US-Dollar sowie eine variable Gebühr von 0,05 % bei Token-Transfers – zusätzlich zu den regulären Netzwerk-Gebühren. Diese Kostenstruktur sorgte sofort für Unmut in der Krypto-Community, die das Modell als Widerspruch zu den Grundprinzipien der Dezentralisierung sieht.
CEO-Kommunikation löst Verwirrung und Vertrauensverlust aus
Für zusätzlichen Ärger sorgte eine widersprüchliche Aussage von CEO Charles Guillemet. Kurz vor dem Start der App hatte er auf Social Media erklärt, der Dienst sei kostenlos. Wenige Stunden nach Veröffentlichung musste er die Aussage korrigieren – tatsächlich handelt es sich um ein kostenpflichtiges Modell.
🔥 Clear Signing on Safe is here — with Ledger Multisig.
Tens of billions in assets are secured by Safe, the gold standard for onchain multisig.
But nearly every team using it shares the same fatal flaw: blind signing.You’re asked to approve a treasury transaction, and all you… pic.twitter.com/h0LSBdM86i
— Charles Guillemet (@P3b7_) October 23, 2025
Diese Kehrtwende führte zu erheblicher Verwirrung und Vertrauensverlust bei Ledger-Nutzern. Entwickler wie pcaversaccio aus der Ethereum-Community warfen dem Unternehmen vor, „unter dem Deckmantel der Cypherpunk-Ideale“ die Kryptowerte der Nutzer zu zentralisieren und zu monetarisieren.
Konkurrenz setzt auf kostenlose Alternativen
Besonders kritisch fällt der Vergleich zu Wettbewerbern aus: Plattformen wie Safe (ehemals Gnosis Safe) bieten ähnliche Multisig-Dienste an – ohne zusätzliche Gebühren, abgesehen von den Standard-Gas-Kosten. Ledger, das rund 20 % Marktanteil im globalen Hardware-Wallet-Segment hält und über 7,5 Millionen Geräte verkauft hat, könnte mit dieser Gebührenstrategie langfristig Nutzer verlieren. Sicherheitsexperten betonen zwar, dass Multisig-Modelle die Vermögenssicherung verbessern, warnen jedoch, dass hohe Zusatzkosten besonders datenschutzbewusste Anwender abschrecken könnten.
Tatsächlich berichten Analysten, dass innerhalb von 72 Stunden nach der Ankündigung die Nutzung von WalletConnect-Multisig-Lösungen um 22 % zugenommen habe – ein Hinweis auf eine mögliche Abwanderung der Nutzer.
Hintergrund der Monetarisierung und Marktreaktionen
Laut offiziellen Angaben richtet sich Ledgers neue App vor allem an Unternehmen und DAOs, die große Vermögenswerte verwalten. Das System soll laut interner Tests die Fehlerquote bei Transaktionssignaturen um 47 % reduzieren.
Analysten sehen in dem Schritt jedoch eine klare Monetarisierungsstrategie, um wiederkehrende Einnahmen zu generieren. Studien zufolge wären rund 250.000 Transaktionen pro Monat notwendig, um das Modell rentabel zu machen – was etwa 3,3 % der aktiven Ledger-Nutzerbasis entspricht. Forscher warnen zudem, dass zusätzliche Gebühren Nutzer dazu verleiten könnten, offizielle Ledger-Oberflächen zu umgehen, was wiederum Phishing-Risiken erhöht.
Noch keine Reaktion auf wachsende Kritik
Bis zum 25. Oktober hat Ledger keine Änderungen am Gebührenmodell angekündigt. In einer Mitteilung bezeichnete das Unternehmen die Gebühren als „nachhaltige Infrastrukturinvestition“, die langfristig dem System zugutekommen solle. Das Gebührenmodell wurde von der französischen Finanzaufsicht (AMF) geprüft, doch bisher liegen keine regulatorischen Einwände vor.
Die Debatte verdeutlicht einmal mehr den zentralen Konflikt der Branche: Wie lässt sich die Balance zwischen Sicherheit, Dezentralisierung und Profitabilität wahren? Ledger steht nun vor der Herausforderung, das erschütterte Vertrauen seiner Nutzerbasis wiederherzustellen.
