Die Kryptowährungsplattform JPEX nahm 2020 in Hongkong ihren Betrieb auf und präsentierte sich als seriöser Akteur auf dem boomenden Kryptomarkt. Mit einer aggressiven Marketingkampagne, unterstützt durch Influencer und Handelspartner, gelang es JPEX, tausende Anleger anzulocken. Die Plattform warb mit hohen Renditen und geringem Risiko — ein klassisches Muster bei großangelegten Betrugsfällen.
Nach den ersten Einzahlungen begannen die Betreiber, Abhebungslimits einzuführen und die Gebühren massiv zu erhöhen. Laut dem Commercial Crime Bureau wurden Vermögenswerte anschließend auf andere Wallets verschoben, um die Herkunft der Gelder zu verschleiern. Insgesamt sollen mehr als 205 Millionen US-Dollar (rund 1,6 Milliarden Hongkong-Dollar) gewaschen worden sein. Seit den ersten Festnahmen im Jahr 2023 wurden mehr als 80 Personen verhaftet. Bis heute haben sich über 2.700 Opfer gemeldet.
Großangelegte Ermittlungen führen zu 16 Anklagen
Im Zuge der Ermittlungen wurden nun 16 Personen offiziell angeklagt. Unter den Beschuldigten befinden sich sechs Mitglieder der JPEX-Führungsebene, gegen die Vorwürfe wegen Betrugs, Geldwäsche und Behinderung der Justiz erhoben werden. Die Behörden haben ihre Untersuchungen jedoch nicht auf die direkten Verantwortlichen beschränkt. Auch mehrere Influencer und Partnerunternehmen stehen im Visier der Ermittler. Berichten zufolge zählt der bekannte Influencer Joseph Lam Chok zu den Angeklagten. Weitere Personen sollen JPEX-Konten verwendet haben, um Gelder zu waschen.
Die Ermittler stützen sich auch auf eine Neuerung aus dem Jahr 2022 in der überarbeiteten Gesetzgebung zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Diese Bestimmung ermöglicht es, Personen zu bestrafen, die andere „betrügerisch oder fahrlässig zum Investment in digitale Vermögenswerte verleiten“.
Fast alle Angeklagten werden demnach zusätzlich beschuldigt, Dritte zum Investment in digitale Vermögenswerte verleitet zu haben — ein Vorwurf, der nun strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen kann.
Ermittlungen dauern an — weitere Anklagen möglich
Die Behörden in Hongkong ermitteln seit mehr als zwei Jahren. Ermittler geben an, dass noch nicht alle Aspekte des Falls vollständig aufgeklärt sind, da ein enormer Datenumfang analysiert werden muss. Aus diesem Grund schließen die Ermittler weitere Anklagen in den kommenden Monaten nicht aus.
Die aktuelle Entwicklung unterstreicht den intensiven Druck auf betrügerische Krypto-Plattformen und die zunehmende Bereitschaft der Behörden, auch Partner und Promotoren strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen.

