Die Korrelation zwischen Bitcoin und dem Nasdaq-Index hat sich im September deutlich abgeschwächt. Laut Daten von CryptoQuant liegt die 30-Tage-Korrelation nahezu bei null. Während die Aktienmärkte ihre eigene Rückkehr zur Mittelwertbildung erleben, verliert Bitcoin die unmittelbare Unterstützung durch den Tech-Sektor. Das Resultat: Die Kursbewegungen der Kryptowährung werden stärker von eigenen Impulsen getrieben, was die Volatilität erhöht.
Ecoinometrics weist darauf hin, dass Bitcoin in Phasen der Nasdaq-Korrektur historisch oft schwächer performt und tiefere Rückschläge verzeichnet. Beispiele dafür waren die Markttiefs im November 2022, im August 2024 und die Kursverluste im April 2025 nach den US-Zollankündigungen.
Der Nasdaq gibt den Takt vor
Wenn der Nasdaq nach Übertreibungen zurück zur Mitte fällt, reduzieren quantitative Strategien systematisch das Risiko. In solchen Phasen reagiert Bitcoin verzögert: Zunächst trifft ihn der Liquiditätsschock, erst bei einer Stabilisierung des Nasdaq holt die Kryptowährung auf.
Analysen von Kaiko zeigen zudem, dass die Korrelation von Bitcoin und Nasdaq in makroökonomischen Stressphasen schnell abnimmt und sich erst über Kapitalflüsse wieder aufbaut. Seit dem Abverkauf im April 2025 liegt die Korrelation auf Mehrmonatstiefs – ein Signal für einen möglichen Regimewechsel, das jedoch häufig nicht von Dauer ist.
Bitcoin faces a headwind from equities.
When the Nasdaq 100 goes through a mean reversion phase with below-average 12-month returns, Bitcoin usually lags too and it is more at risk of deeper drawdowns.
Right now, that’s exactly where we are. pic.twitter.com/wkQmnpPrD4
— ecoinometrics (@ecoinometrics) September 9, 2025
Zinssenkung der Fed im Fokus
Am 17. September wird eine Zinssenkung der US-Notenbank um 25 Basispunkte erwartet. Laut FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Fed auf die schwächelnden Arbeitsmarktdaten reagiert. Ein niedrigerer Leitzins bedeutet sinkende Kapitalkosten und Druck auf den Dollar – beides grundsätzlich Rückenwind für Bitcoin.
Allerdings zeigt die Erfahrung, dass Märkte häufig enttäuscht reagieren, wenn die Fed keinen klaren Ausblick liefert. Selbst Prognosemärkte preisen derzeit mehrheitlich eine Senkung um ein Viertelprozentpunkt ein. Sollte dies eintreten, könnte der Druck des Nasdaq auf Bitcoin nachlassen und Raum für einen Kursaufbau oberhalb wichtiger Unterstützungen entstehen.
ETF-Zuflüsse als Stabilisator
Auf der Kapitalseite verzeichnen Krypto-Investmentprodukte erneut Zuflüsse, allen voran in den USA. Diese Ströme deuten auf eine methodische Rotation institutioneller Gelder hin – häufig über Bitcoin-ETFs – mit Blick auf ein Comeback, sobald die makroökonomische Unsicherheit nachlässt.
Zwar mildert ein positiver Kapitalfluss die Auswirkungen eines Nasdaq-Einbruchs, neutralisieren kann er sie jedoch nicht. Sollte die Fed jedoch senken und die Aktienvolatilität nachlassen, könnte die aktuelle Entkopplung sogar als Katalysator wirken – ähnlich wie im Juli 2025, als Bitcoin im Anschluss ein Plus von 18 Prozent und ein neues Allzeithoch verzeichnete.
Fazit: Zwischen Risiko und Chance
Die Entkopplung von Bitcoin und Nasdaq schafft ein fragiles Marktumfeld. Eine schwache Korrelation bedeutet nicht Immunität: Rückschläge an den Aktienmärkten können zeitverzögert auf Bitcoin durchschlagen. Gleichzeitig eröffnet eine glaubhafte geldpolitische Lockerung der Fed Spielraum für eine Erholung. Entscheidend bleibt das Zusammenspiel von Makro-Daten, ETF-Flows und Marktpsychologie.

