Die jüngste Korrektur von Bitcoin (BTC) ist laut Tom Lee, Präsident von BitMine und Wall-Street-Veteran, kein Anzeichen eines nachlassenden Interesses an Krypto. Stattdessen sieht er einen strukturellen Defekt: Ein oder mehrere Market Maker sollen ein Bilanzloch aufgebaut haben, das eine Welle erzwungener Verkäufe ausgelöst hat. Der Kurssturz sei heftig, aber vor allem vorübergehend.
Market-Maker-Probleme lösen Abwärtsspirale aus
Lee betont, dass die Schwäche von Bitcoin nicht auf sinkende Nachfrage oder eine stagnierende Adoption zurückzuführen sei. Vielmehr seien einzelne Market Maker überhebelt oder schlecht abgesichert gewesen. Kommt einer ins Ungleichgewicht, müsse er in kurzer Zeit große Mengen verkaufen – und die gesamte Marktstruktur gerät unter Druck.
Solche strukturellen Brüche erzeugen eine negative Dynamik: Verkaufsaufträge überlagern sich, Spreads weiten sich aus, die Tiefe verschwindet. Lee vergleicht die Lage mit „Haien“, die eine angeschlagene Beute attackieren. Opportunistische Trader nutzen die Schwäche, treiben den BTC-Preis tiefer und lösen weitere Liquidationen aus – eine sich selbst verstärkende Spirale.
Ein Rückgang von bis zu 50 % vom Hoch sei möglich, jedoch kein Zeichen eines beschädigten Bitcoin-Narrativs, sondern der fragilen Mikrostruktur des Krypto-Marktes. Adoption und institutionelle Nutzung blieben intakt. Lee spricht von einer „Finanz-Plumbing-Krise“, nicht von einem Zyklusende.
Kettenreaktion aus Liquidationen und Leverage
Ein zentraler Faktor sei der hohe Einsatz von Leverage am Markt. Fällt der BTC-Preis, greifen Margin Calls, woraufhin automatische Liquidationen ausgelöst werden. Nicht Anleger verkaufen aus Überzeugung – sondern Plattformen schließen Positionen zwangsweise.
Die am stärksten gehebelt agierenden Trader erleiden laut Lee die größten Verluste. Ziehen sich gleichzeitig Market Maker zurück, werde Bitcoin hypersensibel. Die daraus entstehende Volatilität sei technisch konstruiert – eine Folge der Marktmechanik, nicht der Fundamentaldaten.
Er erwartet erste nachhaltige Erholungsbewegungen in etwa sechs bis acht Wochen, sobald die größten Liquidationen verdaut sind und das Vertrauen der Market Maker zurückkehrt. Für langfristige Anleger sei dies eher eine Phase von Turbulenzen als eine Notlandung.
Ethereum im langfristigen Supercycle
Während Bitcoin unter Liquiditätsstress leidet, hält Lee unbeirrt an seinem langfristigen Ethereum (ETH)-Ausblick fest. Er spricht von einem „ETH Supercycle“, getragen von institutioneller Adoption und wachsender On-Chain-Ökonomie.
BitMine setzt diese Überzeugung selbst um: Das Unternehmen hält Millionen ETH in der Bilanz – vergleichbar mit MicroStrategy und dessen Bitcoin-Strategie, nur angewendet auf Ethereum. Die stetigen Käufe zeigen, dass diese Strategie nicht nur auf Analystenkommentaren basiert. Wenn traditionelle Finanzstrukturen auf die Blockchain migrieren, werde ein großer Teil dieser Aktivität über das Ethereum-Ökosystem laufen.
Makro-Politik könnte Liquidität stabilisieren
Auch das geopolitische Umfeld spielt eine wichtige Rolle. US-Finanzminister Scott Bessent strebt ein Abkommen mit China über seltene Erden bis Thanksgiving an, um eine weitere handelspolitische Eskalation zu verhindern. Ein solches Abkommen würde die Risiken neuer Lieferkettenstörungen mindern – und die globale Liquidität stützen, die indirekt auch den Krypto-Markt beeinflusst.


