Laut dem Handelsunternehmen Wintermute steckt die Kryptowirtschaft derzeit in einer „auto-finanzierten“ Phase. Das bedeutet: Frische Kapitalzuflüsse bleiben aus, während dieselben Gelder innerhalb des Marktes zirkulieren – zwischen Stablecoins, ETFs und sogenannten Digital Asset Treasuries (DAT). Der Markt bleibt zwar aktiv, doch echtes Wachstum bleibt aus. Die Folge: ein lebendiger, aber stagnierender Markt, in dem vor allem untereinander gehandelt wird.
Seit 2024 sind die kombinierten Bestände aus Krypto-ETFs und DATs laut Wintermute von rund 40 Milliarden US-Dollar auf 270 Milliarden US-Dollar gestiegen. Gleichzeitig hat sich das Angebot an Stablecoins auf etwa 290 Milliarden US-Dollar verdoppelt. Doch dieser Schwung ist vorbei – es gibt kaum neue Emissionen, wenig frisches Kapital und viele interne Umläufe.
DATs als neue Schatzkammern – aber mit begrenztem Risikoappetit
Digital Asset Treasuries sind börsennotierte Unternehmen, die Krypto-Assets strategisch in ihre Bilanzen aufnehmen. Dieser institutionelle Trend hat sich 2025 beschleunigt, hängt aber stark vom Risikoappetit der Investoren ab. Ohne neues Kapital von außen bleibt der Effekt begrenzt.
Der Stillstand ist laut Wintermute keine Folge restriktiver Geldpolitik. Im Gegenteil: Viele Zentralbanken haben 2025 mit Zinssenkungen begonnen, was auf eine entspannte globale Liquidität hindeutet. Trotzdem fließt dieses Geld nicht in den Kryptomarkt.
Der Grund: Risikofreie Renditen sind derzeit attraktiver. Kurzfristige US-Zinssätze (SOFR) liegen weiterhin bei etwa 4 %, wodurch viele Investoren lieber auf T-Bills und Geldmarktfonds setzen. Diese bieten Liquidität, stabile Erträge und deutlich weniger Volatilität als Kryptowährungen. Solange Bargeld eine solide Rendite liefert, bleibt die Risikoprämie für Kryptoanlagen hoch.
Ein „Player-vs-Player“-Markt ohne neue Impulse
Das aktuelle Marktumfeld gleicht einem Nullsummenspiel unter Akteuren. Handelsvolumen sind vorhanden, aber Aufwärtsphasen dauern nur kurz. Kursbewegungen werden häufig durch Kaskaden von Liquidationen ausgelöst statt durch nachhaltige Käufe. Das Resultat ist ein frustrierendes Marktregime – lebhaft, aber ohne klassischen Expansionszyklus.
Was den nächsten Aufschwung auslösen könnte
Ein echter Wendepunkt könnte kommen, wenn neue Kapitalströme in den Markt zurückkehren – etwa durch Nettozuflüsse in Krypto-ETFs mit frischem Kapital, neue Stablecoin-Emissionen oder eine neue Welle an DATs.
Schon jetzt deuten erste Anzeichen auf Bewegung hin. Ein Bericht von Bitwise Mitte Oktober zeigte, dass innerhalb von nur drei Monaten 48 neue Unternehmen Bitcoin in ihre Bilanz aufgenommen haben. Diese stillen Käufe erfolgen meist außerbörslich (OTC) und wirken daher noch nicht unmittelbar auf die Preise, bereiten jedoch den Boden für eine nachhaltigere Aufwärtsphase.
Auch Analysten beobachten: Die großen Akteure verkaufen nicht – sie akkumulieren. Wenn diese Tendenz anhält und sich mit neuen Stablecoin-Ausgaben und attraktiven ETF-Angeboten verbindet, könnte die derzeitige „Player-vs-Player“-Phase in eine echte Expansionsdynamik übergehen.
Wintermute sendet kein pessimistisches Signal, sondern ein mechanisches: Solange sich die Liquidität nur im Kreis dreht, bleibt die Kryptoindustrie in einer Art Stillstand. Erst wenn frisches Kapital in den Markt fließt, kann das Wachstum wieder Fahrt aufnehmen – und der nächste Bull-Run beginnen.

