Die US-Börsenaufsicht SEC steht kurz davor, den Handel von Aktien in tokenisierter Form zu erlauben, parallel zum klassischen Börsenhandel. Ziel ist es, die Vorteile der Blockchain-Technologie in den regulierten Finanzmarkt einzubinden, ohne die bestehenden Marktmechanismen zu stören. Mehrere Börsen und Krypto-Plattformen bereiten sich bereits auf den Start vor.
Wie die SEC vorgehen will
Laut aktuellen Entwürfen arbeitet die SEC an einem Regelwerk, das Aktien in Form von Blockchain-Token handelbar machen soll. Diese tokenisierten Wertpapiere könnten rund um die Uhr – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche – getradet werden. Damit entfiele die Begrenzung durch klassische Handelszeiten und schwerfällige Abwicklungsprozesse.
Parallel dazu hat die Nasdaq offiziell einen Regeländerungsantrag eingereicht, um den Handel mit tokenisierten Aktien zu ermöglichen. Laut dem bei der SEC veröffentlichten Text sollen diese Titel gleichberechtigt mit herkömmlichen Aktien im Orderbuch geführt werden. Die Abwicklung soll über die Depository Trust Company (DTC) erfolgen.
SEC-Kommissarin Hester Peirce betonte, dass die Behörde den Dialog mit Tokenisierungsprojekten sucht. Gleichzeitig stellte sie klar: Auch in tokenisierter Form bleiben diese Wertpapiere reguläre Aktien.
Erste Projekte gehen live
Galaxy Digital hat zusammen mit Superstate bereits einen Vorstoß unternommen: Über die Solana-Blockchain können Aktionäre ihre SEC-registrierten GLXY-Aktien in tokenisierte Form umwandeln und on-chain halten – ohne Verlust von Rechten oder Eigentum.
Auch Forward Industries kündigte an, Aktien künftig über die Plattform Opening Bell in tokenisierter Form anbieten zu wollen. Ziel sei es, die Liquidität zu erhöhen und die Märkte näher an die Taktung des Internets zu bringen. SharpLink Gaming plant unterdessen, seine SBET-Aktien nativ auf Ethereum zu tokenisieren, ebenfalls mit Superstate als digitalem Transferagenten.
➡️ Galaxy and Superstate Launch GLXY Tokenized Public Shares on Solana: https://t.co/a0Xggsp2T4
— Galaxy (@galaxyhq) September 3, 2025
Börsen und Krypto-Plattformen rüsten auf
Wichtig ist dabei, dass tokenisierte Aktien vollständig austauschbar mit ihren traditionellen Pendants bleiben. Sie teilen denselben CUSIP-Code, die gleichen Aktionärsrechte und erscheinen im selben Orderbuch. Abwicklungen sollen weiterhin über DTC im Standard T+1-Zyklus erfolgen, lediglich mit einem Blockchain-Flag für die Settlement-Instruktion.
Der Nasdaq machte jedoch deutlich, dass die offiziellen Handelszeiten vorerst unverändert bleiben. Die Innovation betrifft zunächst die technische Darstellung und Abwicklungsflexibilität, nicht automatisch den sofortigen 24/7-Handel.
Konkurrenz aus dem Krypto-Sektor
Robinhood bietet europäischen Kunden bereits sogenannte Stock Tokens an, die Zugang zu über 200 Aktien und ETFs ermöglichen – allerdings in derivativer Form. Kraken arbeitet an einem ähnlichen Angebot für nicht-US-Kunden. Coinbase wiederum strebt eine Genehmigung der SEC an, um tokenisierte Aktien in den USA einzuführen.
Für Investoren verspricht die Tokenisierung mehr Portabilität, Eigenverwahrung, einfache Transfers und programmierbare Funktionen. Für Emittenten öffnet sich ein zusätzlicher Kanal zu Aktionären sowie potenziell eine kontinuierlichere Liquidität.
Regulierung bleibt entscheidend
In Europa warnt die ESMA davor, dass tokenisierte Aktienprodukte nicht immer die gleichen Rechte wie traditionelle Aktien gewähren. Anleger sollten deshalb unbedingt die Produktinformationen genau prüfen.
Die SEC selbst intensiviert den Austausch mit Marktinfrastrukturen, von Krypto-Plattformen bis hin zur New Yorker Börse – um die regulatorischen Rahmenbedingungen für tokenisierte Aktien zu definieren.

