Die Bank of Thailand hat neue Regulierungsmaßnahmen angekündigt, um strukturelle Schwächen der Wirtschaft anzugehen und die Stabilität der Landeswährung Baht zu sichern. Im Fokus steht dabei eine verstärkte Überwachung des Stablecoins USDT sowie bislang unregulierter Geldströme.
USDT und graue Geldflüsse rücken in den Fokus
Zentralbankchef Vitai Ratanakorn erklärte auf einem Seminar, dass die Notenbank ihre Rolle neu definiere. Statt wirtschaftliche Risiken nur zu beobachten, wolle man künftig aktiv in strukturelle Entwicklungen eingreifen. Ohne solche Maßnahmen drohten langfristige Folgen für die makroökonomische Stabilität des Landes.
Ein zentraler Schwerpunkt liegt auf sogenannten Graumärkten und Geldbewegungen außerhalb etablierter Regulierungsrahmen. Besonders auffällig sei dabei der Stablecoin USDT: Nach Angaben der Zentralbank stammen rund 40 Prozent der Verkäufer auf thailändischen Handelsplattformen von Ausländern, die dort eigentlich nicht handeln dürften.
Vor diesem Hintergrund hat die Notenbank beschlossen, USDT offiziell in ihr Liquiditäts- und Marktüberwachungssystem aufzunehmen.
LATEST: 🇹🇭 Thailand has unveiled a unified oversight framework for gold and crypto to combat illicit finance, with Prime Minister Anutin Charnvirakul ordering stricter Travel Rule enforcement. pic.twitter.com/lK4Dox3M1x
— CoinMarketCap (@CoinMarketCap) January 13, 2026
Krypto-Markt kleiner als Devisenmarkt – aber mit Risiken
Zwar liegt das tägliche Handelsvolumen am thailändischen Kryptomarkt mit rund 2,8 Milliarden Baht deutlich unter dem Volumen des Devisenmarktes von 10 bis 15 Milliarden Baht. Dennoch warnt die Zentralbank vor Missbrauchspotenzial und illegalen Aktivitäten, die sich negativ auf den Wechselkurs des Baht auswirken könnten.
Ratanakorn bezeichnete den wachsenden Einfluss solcher Märkte auf die Währung ausdrücklich als „echtes strukturelles Problem“. Anleger sollten regulatorische Entwicklungen daher stärker in ihre Investitionsentscheidungen einbeziehen.
Goldhandel als unterschätzter Treiber von Währungsschwankungen
Neben digitalen Vermögenswerten und Kryptowährungen rückt auch der Goldhandel zunehmend in den Fokus der Behörden. In Thailand entspricht das Handelsvolumen mit Gold etwa 50 bis 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und gilt als wesentlicher Faktor für Wechselkursschwankungen.
Nach Angaben der Zentralbank entfallen an Tagen mit starkem Baht rund 45 bis 62 Prozent der inländischen Dollarverkäufe auf Goldhändler. Unregulierter Goldhandel habe in der Vergangenheit wiederholt starke Volatilität ausgelöst, weshalb nun auch hier eingegriffen werden soll.
Die Maßnahmen fallen in eine Phase schwachen Wirtschaftswachstums. Während Thailand früher durchschnittlich fünf Prozent Wachstum erzielte, liegt die Rate aktuell bei rund zwei Prozent. Für 2026 werden lediglich 1,5 bis 1,7 Prozent erwartet. Zinspolitik allein reiche nicht aus, um diese strukturellen Probleme zu lösen, so die Einschätzung der Zentralbank.
Umfassender Regulierungsrahmen tritt bis Ende Januar in Kraft
Grundlage der neuen Maßnahmen ist eine Regierungsanordnung vom 9. Januar. Sie sieht strengere Meldepflichten und Identitätsprüfungen bei digitalen Vermögenswerten und im Goldhandel vor. Geschäftsbanken müssen verdächtige Transaktionen künftig an die Zentralbank melden, während bei Kapitalzuflüssen über 200.000 US-Dollar die Herkunft der Mittel offengelegt werden muss.
Auch Bargeldwechsel mit Kleinbanknoten im Wert von mehr als einer Million Baht werden künftig überwacht. Parallel dazu richten die Behörden eine zentrale Dateneinheit ein, die Informationen von Banken, Krypto-Dienstleistern und Goldbörsen bündelt und auswertet. Ziel ist es, verdächtige Muster nahezu in Echtzeit zu erkennen.
Zusätzlich wendet Thailand die internationale Travel Rule auf Kryptotransaktionen an und verschärft die Geldwäscheprävention im physischen Goldhandel durch niedrigere Meldeschwellen. Die neuen Regelungen für digitale Goldprodukte und USDT sollen bis Ende Januar vollständig umgesetzt werden.
