Pavel Durov hat auf dem Forum Blockchain Life 2025 das Projekt Cocoon präsentiert. Ziel ist es, KI-Werkzeuge bereitzustellen, ohne dass Nutzer ihre Daten zentralisierten Plattformen überlassen müssen. Das Netzwerk greift auf die Layer-1-Blockchain TON zurück, die mit dem Ökosystem von Telegram verbunden ist. Durov erklärte, dass durch diese Architektur die Herkunft von Berechnungen bescheinigt und die Abhängigkeit von zentralen Mittlern reduziert werden soll.
Confidential Compute Open Network: verteilte Inferenz und Smart Contracts
Das System basiert auf einem Konzept, das als „Confidential Compute Open Network“ bezeichnet wird: Die Modell-Inference soll über verteilte Knoten erfolgen, und jede erbrachte Rechenleistung wird direkt in Toncoin abgegolten und durch Smart Contracts gesteuert. Auf diese Weise sollen Herkunft, Abrechnung und Verifikation der Berechnungen on-chain nachvollziehbar bleiben, während die Datenverarbeitung dezentral erfolgt.
Mit diesem Ansatz wird das Risiko massenhafter Datensammlung, von Datenlecks oder algorithmischer Manipulation gemindert. In Web3-Kreisen wird häufig argumentiert, dass dezentrale Architekturen eine bessere Auditierbarkeit von KI-Systemen ermöglichen und so die Privatsphäre der Nutzer stärken können.
Warum TON?
Die Entscheidung für TON ist strategisch: Durch die Verbindung mit Telegram existiert bereits eine hohe Nutzungsdynamik für die neue Kryptowährung. Cocoon profitiert von on-chain-geregelter Identität und Abrechnung, wodurch Flüsse von Berechnung und Vergütung nachvollziehbar werden, ohne notwendigerweise Inhalte offenzulegen.
Cocoon ermöglicht es Nutzern, ihre GPU-Leistung dem Netzwerk zur Verfügung zu stellen und dafür in Toncoin entlohnt zu werden. Damit wird ein bislang verstreutes Hardware-Reservoir in einen liquidierbaren Markt für KI-Rechenleistung verwandelt, der für Entwickler potenziell kostengünstiger ist als klassische Cloud-Angebote. Entwickler könnten so Inferenzkosten senken und gleichzeitig transparentere Kontrollmechanismen über die Vertraulichkeit ihrer Anfragen behalten.
Vorteile für Entwickler und GPU-Betreiber
Sensible Anfragen wie Zusammenfassungen von Diskussionen, strategische Dokumente oder proprietäre Prompts könnten verarbeitet werden, ohne dass ein einzelner Anbieter Zugriff auf die Inhalte hat. Entscheidend ist, dass ein dichtes Netzwerk von GPUs akzeptable Antwortzeiten bietet und wettbewerbsfähige Preise ermöglicht. Für GPU-Betreiber besteht der Anreiz in einer Toncoin-Vergütung, die an die Servicequalität gekoppelt ist – etwa Verfügbarkeit, Latenz und Genauigkeit. Die Tokenisierung der Rechenleistung eröffnet darüber hinaus Möglichkeiten für Sekundärmärkte, Liquiditätspools oder Verfügbarkeitsgarantien.
Digital-Souveränität als Ziel
Durov verortet das Projekt in einem größeren Rahmen digitaler Freiheit: Nach zwei Jahrzehnten hin zu geschlossenen Systemen geht es darum, die Souveränität der Nutzer im Alltag der KI-Nutzung zurückzugewinnen – ohne auf Komfort zu verzichten. Eine dezentrale Architektur ist zwar keine Allheil-lösung, doch sie schafft wieder Wahlmöglichkeiten und überprüfbare Mechanismen.

