Krypto-Ermittlungen in Argentinien: Libra Affäre erreicht den Präsidentenpalast

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Libra Skandal Argentinien
  • Neue Entwicklungen im LIBRA-Skandal bringen enge Berater von Argentiniens Präsident Javier Milei unter Druck.
  • Wallet-Daten von Binance und Gate.io verknüpfen sie mit auffälligen Transaktionen vor dem Token-Start.
  • Die Zahl der betroffenen Anleger ist weit höher, als der Präsident öffentlich behauptet hatte.

Die argentinische Kryptowährung LIBRA sollte ein Symbol für wirtschaftliche Modernisierung sein – doch sie endete in einem der größten Finanzskandale des Landes. Neue Ermittlungsdetails belasten nun zwei enge Vertraute von Präsident Javier Milei. Während Kläger und Parlamentarier auf Aufklärung drängen, geraten auch frühere Aussagen des Präsidenten zunehmend in Zweifel.

Festnahmeantrag gegen zwei Präsidialberater

Der argentinische LIBRA-Skandal zieht weitere Kreise. Kläger Martín Romeo, ein auf Kryptoermittlungen spezialisierter Analyst, hat beim Bundesrichter Marcelo Martínez de Giorgi die Festnahme zweier enger Mitarbeiter von Präsident Javier Milei beantragt. Es handelt sich um Mauricio Novelli und Manuel Terrones Godoy, die laut den Ermittlungen mit der Einführung des LIBRA-Tokens im Februar in Verbindung standen. Romeo begründet seinen Antrag mit einem möglichen Fluchtrisiko der beiden. Novelli besitzt die italienische Staatsbürgerschaft, Terrones Godoy hat einen festen Wohnsitz in Mexiko.

Die Festnahmeanordnung steht im Zusammenhang mit neuen Beweisen, die auf unregelmäßige Finanztransaktionen hindeuten. Laut Romeo sollen Novelli, Terrones Godoy und der US-Investor Hayden Mark Davis mehrere Überweisungen vorgenommen haben, die zeitlich direkt mit dem Start des LIBRA-Tokens zusammenfielen. Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit, ob diese Transfers mit den späteren Verlusten der Anleger in Verbindung stehen.

Neue Erkenntnisse durch Wallet-Daten

Eine parlamentarische Untersuchungskommission unter Leitung des Abgeordneten Maximiliano Ferraro hat kürzlich neue Daten von Kryptobörsen wie Binance und Gate.io erhalten. Diese zeigen, dass Novelli bei Binance und Terrones Godoy bei Gate.io jeweils über aktive Wallets verfügten. Laut Ferraro widerlegen die Transaktionsdaten die früheren öffentlichen Aussagen von Präsident Milei, wonach nur wenige Argentinier von LIBRA betroffen gewesen seien.

Die Kommission konnte anhand der Wallet-Daten Bewegungen von USDT-Transaktionen rekonstruieren, die kurz vor dem Start von LIBRA stattfanden. Dabei wurde deutlich, dass erhebliche Summen zwischen mehreren Konten in Argentinien und dem Ausland zirkulierten. Diese Informationen flossen auch in die parallel laufende Strafuntersuchung ein, die Romeo als Kläger vorantreibt.

Transfers nach Treffen im Präsidentenpalast

Besonders brisant sind laut Romeo mehrere Überweisungen, die im zeitlichen Zusammenhang mit einem Treffen zwischen Präsident Milei und dem US-Investor Hayden Mark Davis stehen sollen. Am 30. Januar traf Davis Milei in der Casa Rosada, dem Regierungssitz in Buenos Aires. Noch am selben Tag wurden zwei Transaktionen über insgesamt 1.015.000 USDT von Davis an ein Konto bei Bitget gesendet. Wenige Tage später flossen davon rund 695.000 USDT auf Novellis Binance-Wallet, während weitere 320.000 USDT an ein argentinisches Privatbankkonto überwiesen wurden, das mit Novelli und Terrones Godoy in Verbindung gebracht wird.

Auch am 3. Februar, kurz vor dem LIBRA-Start, überwies Davis weitere 1.991.000 USDT. Laut Romeo ging ein Teil davon an unbekannte Wallets, während über eine Million USDT erneut auf das besagte Privatbankkonto eingingen. Einen Tag später sollen Sicherheitskameras in einer Bankfiliale in Martínez aufgezeichnet haben, wie Novelli gemeinsam mit Familienmitgliedern Schließfächer öffnete. Die Ermittler prüfen, ob dort Bargeld oder Datenträger mit Wallet-Zugängen deponiert wurden.

Widersprüche zu Mileis öffentlichen Aussagen

Die Untersuchungskommission stellte zudem fest, dass Präsident Milei die Zahl der betroffenen Investoren erheblich unterschätzt hatte. In einem Fernsehinterview hatte er erklärt, nur „eine Handvoll“ Argentinier habe Verluste durch LIBRA erlitten. Daten des argentinischen Kryptoanbieters Ripio zeigen jedoch, dass mindestens 1.358 Nutzer im Land den Token erworben hatten. Diese Zahl berücksichtigt nicht einmal Käufe über dezentrale Plattformen oder ausländische Börsen.

Ferraro warf dem Präsidenten vor, die Dimension des Skandals bewusst herunterzuspielen. Zudem habe Milei nie erklärt, wie er an die 43-stellige Vertragsadresse gelangte, die er in sozialen Medien zur Werbung für LIBRA veröffentlichte. Diese Information war zum Zeitpunkt seines Posts nicht öffentlich zugänglich. Die Kommission sieht darin ein weiteres Indiz für interne Kenntnisse innerhalb des Präsidentenumfelds.

Verzögerte Kooperation und drohende Vorladungen

Trotz mehrfacher Aufforderungen blieb Präsident Milei bislang jede Stellungnahme schuldig. Auch seine Schwester Karina Milei, die derzeit als Generalsekretärin fungiert, ignorierte laut Ferraro zwei offizielle Einladungen zur Aussage. Dasselbe gilt für Novelli und Terrones Godoy. Der Untersuchungsausschuss beschloss daher, gerichtliche Vorladungen zu beantragen und notfalls polizeiliche Unterstützung anzufordern, um das Erscheinen der Zeugen zu erzwingen.

Ferraro erklärte, man wolle die Vorgänge lückenlos aufklären, da sie nicht nur finanzielle, sondern auch politische Konsequenzen haben könnten. Die Entscheidung des Bundesgerichts über den Festnahmeantrag gegen die beiden Berater wird in den kommenden Tagen erwartet. Der Skandal in Argentinien ist ein weitere Beweis dafür, dass Bitcoin mit seiner herausragenden Stellung eine wirkliche Wertanlage ist, dagegen viele andere Coins nur auf seiner Welle surfen wollen.

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By Jakob Hofeditz

Seit 2018 ist Jakob in der Welt von Krypto und Blockchain unterwegs und ist für verschiedene Portale als Autor tätig. Besonders fasziniert ihn bei diesem Thema die Wechselwirkung mit der internationalen Wirtschaftspolitik, den Notenbanken und der Zukunft des Geldsystems.