Der US-Finanzriese JP Morgan hat am 19. ein neues Research-Update zur Zukunft des Stablecoin-Marktes veröffentlicht. Darin bestätigt die Bank ihre bisherige Prognose und dämpft zugleich überzogene Erwartungen an ein explosionsartiges Wachstum.
Marktprognose bis 2028 bleibt unverändert
Laut der Global-Research-Abteilung von JP Morgan soll das weltweite Stablecoin-Marktvolumen bis 2028 auf rund 500 bis 600 Milliarden US-Dollar anwachsen. Damit bleibt die Bank deutlich unter den optimistischen Schätzungen einiger Marktteilnehmer, die von ein bis zwei Billionen US-Dollar ausgehen.
Teresa Ho, Leiterin der US-Short-Term-Strategie bei JP Morgan, verweist darauf, dass der aktuelle Markt für fiat-besicherte Stablecoins bei etwa 300 Milliarden US-Dollar liegt. Rund 90 Prozent dieses Volumens entfallen dabei auf Tether und Circle.
Wachstum weiterhin von Krypto-Handel getrieben
Nach Einschätzung der Analysten wird das Wachstum des Stablecoin-Marktes nach wie vor hauptsächlich durch Aktivitäten im Kryptohandel getragen. Dazu zählen Derivatehandel, Lending im DeFi-Sektor sowie das Treasury-Management von Krypto-Unternehmen.
Zudem nutzen viele Investoren Stablecoins über internationale Kryptobörsen hinweg als sicheren Hafen oder zur kurzfristigen Kapitalallokation. Kenneth Worthington, Analyst bei JP Morgan, hebt hervor, dass die Marktkapitalisierung eines beobachteten Stablecoin-Korbs Ende Juni gegenüber dem Vormonat um zwei Prozent gestiegen ist und damit trotz hoher Volatilität bereits sieben Monate in Folge Wachstum verzeichnete.
Gleichzeitig betont er, dass diese Entwicklung stark mit der Gesamtgröße des Kryptomarktes korreliert und kein Beleg für eine breite Nutzung von Stablecoins als allgemeines Zahlungsmittel ist. Insbesondere die Preisbewegungen von Bitcoin beeinflussen die Liquidität von Stablecoins weiterhin erheblich.
Zahlungsnutzung bremst das Marktvolumen
JP Morgan weist darauf hin, dass eine zunehmende Nutzung von Stablecoins im Zahlungsverkehr nicht automatisch zu einem stark steigenden Marktvolumen führt. Je effizienter Stablecoins als Zahlungsmittel eingesetzt werden, desto höher ist ihre Umlaufgeschwindigkeit, wodurch weniger Gesamtbestand für die Abwicklung benötigt wird.
Damit entsteht ein strukturelles Spannungsfeld: Als effektives Zahlungsinstrument sinkt die Nachfrage nach Stablecoins als langfristig gehaltene Liquiditätsreserve. Zusätzlich sieht die Bank wachsende Konkurrenz durch alternative Lösungen wie digitale Zentralbankwährungen, tokenisierte Bankeinlagen und blockchainbasierte Zahlungssysteme.
Diese Alternativen könnten insbesondere im institutionellen Bereich und bei grenzüberschreitenden Zahlungen Marktanteile gewinnen und die Rolle von Stablecoins in der langfristigen Zahlungs- und Abwicklungsinfrastruktur begrenzen.
Schwellenländer und Regulierung als Stützfaktoren
Als positiven Faktor nennt JP Morgan die anhaltende Nachfrage in Schwellenländern. In Staaten mit hoher Inflation oder politischer Instabilität werden US-Dollar-gebundene Stablecoins zunehmend als Wertaufbewahrungsmittel gegenüber lokalen Währungen bevorzugt.
Auch regulatorische Fortschritte, etwa durch den geplanten US-amerikanischen „GENIUS Act“, könnten das Vertrauen in Stablecoins als Anlageklasse stärken und ihre Akzeptanz fördern. Dennoch bleibt die Bank skeptisch gegenüber einem Szenario, in dem Stablecoins kurzfristig in das Herz des traditionellen Finanzsystems vordringen.
Realistisches Wachstum statt Billionen-Hype
Nach Einschätzung von JP Morgan ist ein Marktwachstum auf das Zwei- bis Dreifache des heutigen Niveaus realistisch. Damit läge das Marktvolumen in den kommenden Jahren bei etwa 500 bis 750 Milliarden US-Dollar.
Ein Überschreiten der Billionenmarke würde hingegen eine tiefgreifende und breite Akzeptanz im klassischen Finanzsystem und im alltäglichen Zahlungsverkehr erfordern, begleitet von klaren und starken regulatorischen Rahmenbedingungen. Ohne diese Voraussetzungen bleibt ein solcher Wachstumssprung aus Sicht der Analysten unwahrscheinlich.
