Die US-amerikanische Krypto-Börse Coinbase hat die Gründung eines unabhängigen Beratungsgremiums bekannt gegeben, das sich mit den potenziellen Sicherheitsrisiken durch Quantencomputing für digitale Vermögenswerte befassen soll. Ziel ist es, frühzeitig Strategien zu entwickeln, um die langfristige Sicherheit von Blockchain-Netzwerken zu gewährleisten.
Das neu geschaffene Komitee vereint führende Experten aus den Bereichen Quanteninformatik, Kryptografie und Blockchain-Technologie. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem der Quantenphysiker Scott Aaronson von der University of Texas sowie der Kryptografie-Experte Dan Boneh von der Stanford University. Auch der Ethereum-Forscher Justin Drake und Yehuda Lindell, Leiter der Kryptografie bei Coinbase, sind Teil des Gremiums. Ergänzt wird die Gruppe durch Wissenschaftler von Harvard und der University of California.
Warum Quantencomputer eine Bedrohung für Blockchains darstellen
Coinbase warnt davor, dass leistungsfähige Quantencomputer in Zukunft die kryptografischen Grundlagen von Blockchains wie Bitcoin und Ethereum gefährden könnten. Insbesondere ältere Wallet-Formate gelten als anfällig, da sie auf kryptografischen Verfahren basieren, die durch Quantenalgorithmen theoretisch gebrochen werden könnten.
Nach internen Schätzungen könnten zwischen 20 und 50 Prozent aller bestehenden Bitcoin-Bestände betroffen sein, sofern sie in veralteten Wallet-Strukturen gehalten werden. Diese Einschätzung führt bereits dazu, dass Nutzer ihre Verwahrmethoden überprüfen und verstärkt auf moderne, sicherere Wallet-Lösungen setzen.
JUST IN: Coinbase announces a new quantum computing advisory board
The board will:
– Publish position papers on the state of quantum computing
– Issue guidance to users, developers, and institutions
– Respond in real time to major quantum breakthroughs pic.twitter.com/eE8GqOVAiD— Bitcoin Archive (@BitcoinArchive) January 22, 2026
Zeitlicher Horizont bleibt umstritten
Viele Experten gehen davon aus, dass eine reale Bedrohung durch Quantencomputer frühestens in zehn Jahren entsteht. Dennoch wächst die Aufmerksamkeit innerhalb der Finanzbranche. Große Institute wie BlackRock und UBS haben bereits darauf hingewiesen, dass zukünftige Quantencomputer in der Lage sein könnten, private kryptografische Schlüssel zu rekonstruieren.
Diese Einschätzungen sorgen auch bei Investoren für Unsicherheit. Einige Marktteilnehmer reduzieren ihr Bitcoin-Engagement und verlagern Kapital in traditionelle Wertspeicher wie Gold. Innerhalb der Krypto-Community herrscht jedoch keine Einigkeit darüber, wie dringend konkrete Gegenmaßnahmen bereits heute notwendig sind.
Coinbase setzt auf eine Post-Quanten-Strategie
Coinbase-CISO Jeff Lunglhofer betont, dass heutige Verschlüsselungssysteme auf mathematischen Problemen beruhen, deren Lösung mit klassischer Rechenleistung Tausende von Jahren dauern würde. Quantencomputer könnten diese Annahme jedoch grundlegend verändern, weshalb präventives Handeln entscheidend sei.
Im Rahmen einer sogenannten Post-Quanten-Sicherheitsstrategie arbeitet Coinbase bereits an der Weiterentwicklung von Bitcoin-Adressierungsprotokollen sowie an der Härtung interner Schlüsselverwaltungs- und Custody-Systeme. Das neu gegründete Beratungsgremium will innerhalb der nächsten ein bis zwei Monate ein erstes Positionspapier veröffentlichen, das konkrete technische und strategische Empfehlungen für die Branche enthält.
Yehuda Lindell unterstreicht, dass Quantencomputing nicht nur ein technologischer Fortschritt, sondern zugleich eine sicherheitsrelevante Herausforderung darstelle. Entscheidend sei, dass die Branche nicht abwarte, sondern aktiv Vorsorge treffe, um das Vertrauen in digitale Vermögenswerte langfristig zu sichern.
