Die These ist klar: Sollte die US-Notenbank Federal Reserve den geldpolitischen Kurs lockern, würde neue Liquidität in die Märkte strömen, und vor allem kredit- und risikosensitive Assets wie Bitcoin und Ethereum profitieren. Tom Lee, Mitgründer von Fundstrat und Präsident von BitMine, rechnet bereits in diesem Quartal mit einem möglichen „Monster Move“ der beiden größten Kryptowährungen. Sowohl das makroökonomische Umfeld als auch die saisonale Dynamik sprächen dafür, auch wenn der Markt derzeit noch zögert.
Ein historisch starkes viertes Quartal
Laut Lee könnten Bitcoin und Ether in den kommenden drei Monaten massiv steigen, getrieben durch eine Kombination aus geldpolitischer Lockerung und global wachsender Liquidität. Im Interview mit CNBC verwies er auf die hohe Sensibilität von Bitcoin gegenüber der Liquidität, den Kurs der Zentralbanken sowie auf die traditionell starke Performance im vierten Quartal.
Bitcoin gilt als stark makroabhängiges Asset, das unmittelbar auf Zins- und Liquiditätsbewegungen reagiert. Sinkt der Preis für Kapital, steigt der Appetit auf risikoreiche Anlagen. Jüngste Marktkorrekturen hätten zudem gezeigt, dass die Märkte inzwischen extrem empfindlich auf kleinste Änderungen in den Erwartungen reagieren.
Entscheidung der Fed rückt in den Fokus
Am Mittwoch, den 17. September, wird die nächste Fed-Entscheidung erwartet. Der Konsens geht von einer Zinssenkung um 25 Basispunkte aus. Zwar sehen die Futures-Märkte nur eine geringe Chance für einen stärkeren Schritt um 50 Basispunkte, entscheidend sei jedoch die Signalwirkung. Sollte die Fed den Beginn eines Lockerungszyklus andeuten, könne dies als Katalysator für einen deutlichen Preisschub wirken.
The Federal Reserve is set to make its first interest rate cut this year by 25-50 basis points, per @FT https://t.co/c3IF01GVBq
— CSIS Economics Program and Scholl Chair (@CSIS_Trade) September 15, 2025
Warum Bitcoin so liquiditätssensibel ist
Bitcoin gilt als der Vermögenswert, der am stärksten auf globale Finanzierungsbedingungen reagiert. Sein digitales Collateral-Profil macht ihn besonders anfällig für Schwankungen des realen Dollars und der Finanzierungskosten. Sobald die Geldpolitik lockerer wird, steigen die Risikoappetite bei Bitcoin oft schneller als in anderen Anlageklassen. Historisch hat sich dieses Muster mehrfach bestätigt.
Dazu kommt die Saisonalität: Das vierte Quartal bringt regelmäßig überproportionale Gewinne – verstärkt durch Umschichtungen zum Jahresende und dünnere Orderbücher nach dem Sommer. Short-Positionen, die sich in den Konsolidierungsphasen aufgebaut haben, könnten durch ein Signal der Fed zu Eindeckungen gezwungen werden, was den Preisdruck nach oben zusätzlich verstärken würde.
Ethereum: „Das Wall Street von 1971“
Lee geht bei Ethereum noch weiter. Er vergleicht den Smart-Contract-Giganten mit dem Innovationsschub an der Wall Street nach Aufgabe des Goldstandards im Jahr 1971. Ethereum entwickle sich zum Fundament einer neuen Finanzinfrastruktur, getrieben durch die Tokenisierung von Mikrotransaktionen und den Einfluss von Künstlicher Intelligenz.
Er spricht sogar von einem möglichen „ChatGPT-Moment“ für Stablecoins – also einem Durchbruch, bei dem die Blockchain-Infrastruktur allgegenwärtig, aber für den Nutzer nahezu unsichtbar wird. Dieses Momentum zeige sich nicht nur im Preis, sondern auch in wachsender Markttiefe und steigender Liquidität.
BitMine setzt stark auf Ethereum
Ein wichtiges Signal liefert auch BitMine selbst, dessen Präsident Lee ist. Das Unternehmen gab bekannt, über 2,15 Millionen ETH im Wert von rund 9,7 Milliarden US-Dollar zu halten, Teil eines Gesamtvermögens von 10,77 Milliarden Dollar. Damit zählt BitMine zu den größten institutionellen ETH-Haltern weltweit und unterstreicht den institutionellen Nachfrageschub.
Ausblick: Alles hängt von der Fed ab
Der Zeitplan ist eng: Die Fed-Entscheidung am 17. September, gefolgt von der Pressekonferenz und Reaktionen anderer Zentralbanken. Schon eine vorsichtigere Kommunikation könnte genügen, um Kapitalströme in Richtung Bitcoin und Ether wiederzubeleben. Doch ein zu restriktiver Ton birgt die Gefahr des klassischen „Buy the rumor, sell the news“-Effekts. Entscheidend wird daher nicht der erste Schritt, sondern die künftige Kommunikation der Fed sein.

