Warren Buffett hält sich zurück. Rund 350 Milliarden US-Dollar liegen ungenutzt auf den Konten von Berkshire Hathaway. Es ist nicht das erste Mal, dass er eine Marktphase aussitzt. Und in der Regel bedeutet das etwas. Wenn sich das „Orakel von Omaha“ zurückzieht, lohnt sich ein genauer Blick auf die Liquidität – auch im Hinblick auf Bitcoin.
Viel Cash, sehr viel Cash
Berkshire Hathaway verfügt aktuell über 347,7 Milliarden US-Dollar an Barmitteln. Ein Rekordwert. Kein anderes börsennotiertes US-Unternehmen kommt in die Nähe. Buffett bleibt seiner Linie treu: Wenn die Märkte überhitzen, wartet er lieber ab.
Das ist keine neue Strategie. Ende 1999 verfuhr er ebenso, ebenso 2005, kurz vor der Krise von 2008. Buffett versucht nicht, das absolute Hoch vorherzusagen, sondern will vorbereitet sein. Neu ist lediglich die Dimension des Signals. Diesmal sind Nasdaq und Bitcoin enger miteinander verbunden als früher.
Warnsignale am Nasdaq
Der Nasdaq notiert auf Bewertungsniveaus, die nur selten erreicht wurden. Laut Daten, die auf X geteilt wurden, entspricht seine Marktkapitalisierung etwa 176 Prozent der US-Geldmenge M2. Ins Verhältnis zum BIP gesetzt liegt der Wert bei rund 129 Prozent. Über die genauen Zahlen lässt sich streiten, doch die Botschaft bleibt: die Lage ist angespannt.
Bitcoin agiert längst nicht mehr als völlig unabhängiger Vermögenswert. Anfang 2025 lag seine 30-Tage-Korrelation mit dem Nasdaq 100 bei fast 0,70 – ein ungewöhnlich hoher Wert. Wenn die Tech-Werte unter Druck geraten, folgt BTC oft demselben Trend.
Hinzu kommt das Timing: Bitcoin erreichte im Sommer ein Hoch von rund 124.000 US-Dollar, bevor er in eine Korrektur überging. Sollte der Nasdaq abkühlen, dürfte die Kryptowährung ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden.
Liquidität als Schlüssel für Bitcoin
Die Bewertung allein erklärt nicht alles. Die US-Geldmenge M2 steigt wieder. Im Juli 2025 lag sie bei über 22 Billionen US-Dollar, dem höchsten Stand seit 2022. Spektakulär ist das noch nicht, doch der Trend weist nach oben.
Biggest divergence between Global M2 and #Bitcoin in 2 years.
Global M2 (money supply) has historically led Bitcoin by ~12 weeks.
Every time liquidity re-accelerates, BTC eventually follows.The last big divergence was mid-2020:
M2 ripped higher post-Covid stimulus
BTC… pic.twitter.com/vWhMhgqElO
— CryptoRodo (@RodolfoPozoA) August 27, 2025
Gleichzeitig haben Schwellenländer mit Lockerungen begonnen, während die US-Notenbank abwartet. Sollte die Inflation weiter zurückgehen, wäre ein geldpolitischer Schwenk der Fed bis Ende des Jahres denkbar. In diesem Fall könnten liquiditätssensitive Anlagen wie Bitcoin Auftrieb bekommen.
Doch die Rahmenbedingungen unterscheiden sich von 2020. Damals waren die Bewertungen niedrig, heute sind sie bereits angespannt. Buffett selbst bleibt weiterhin abwartend.
Handeln oder abwarten?
Es gibt keinen Grund zur Panik. Buffett prognostiziert keinen Crash, er wartet. Sein enormes Cash-Polster sagt mehr über die Preisniveaus aus als über den genauen Zeitpunkt der nächsten Bewegung.
Für Bitcoin bedeutet das vor allem Flexibilität. Solange die enge Korrelation mit dem Nasdaq anhält, könnte ein Rückgang an den Aktienmärkten schnell auf die Kryptowährung überspringen. Entscheidend bleiben zwei Faktoren: Knappheit und Liquidität. Während das erste unverändert bleibt, verändert sich das zweite. Deshalb lohnt es sich, die Geldmenge M2, die Zinsentwicklung und den Ton der Fed genauer im Blick zu behalten – weit mehr als die nächste rote Kerze im Chart zu erraten.
Und schließlich braucht es einen Plan. Fällt der Markt, sind die Bereiche entscheidend, in denen die Nachfrage wieder einsetzt. Kommt frischer Kapitalzufluss, gilt es, ihn mitzugehen – aber immer mit dem Bewusstsein, dass eine Sicherheitsmarge wichtig bleibt. Auch für Bitcoin.
Buffett steigt aus? Nicht wirklich.
Er zieht sich nicht zurück, er wartet. In einem Markt, in dem Tech-Werte die Schwerkraft herausfordern und die Krypto-Preise eng mit dem Nasdaq verknüpft bleiben, ist Vorsicht eine vertretbare Strategie. Am Ende wird, einmal mehr, die Liquidität den Ausschlag geben.

