BlackRock-CEO Larry Fink und COO Rob Goldstein haben die Tokenisierung von Vermögenswerten als „wichtigstes Markt-Upgrade seit den frühen Tagen des Internets“ bezeichnet. Ihre Einschätzung veröffentlichten sie in einem Beitrag für das britische Magazin The Economist.
Die beiden Top-Manager sehen in der Tokenisierung die nächste Phase eines tiefgreifenden Wandels in den globalen Finanzmärkten – mit einer Bedeutung, die der Einführung des SWIFT-Systems im Jahr 1977 nahekommt.
Sofortige Abwicklung und breiterer Marktzugang
Als zentralen Vorteil der Tokenisierung heben Fink und Goldstein die Möglichkeit von Sofortabrechnungen hervor, die Kreditrisiken effektiv ausschalten. Zudem ermögliche die digitale Aufteilung privater Marktwerte eine Öffnung bisher schwer zugänglicher Anlageklassen für neue Anlegergruppen. Die Märkte für tokenisierte Real-World-Assets wie Aktien und Anleihen wachsen rasant und haben in den vergangenen 20 Monaten um rund 300 Prozent zugelegt.
Dieser Trend unterscheidet sich klar vom traditionellen Krypto-Markt und entwickelt sich zu einem neuen Finanzsektor. Dennoch bleibt das Marktvolumen im Vergleich zu globalen Aktien- und Anleihemärkten noch klein. BlackRock ist bereits aktiv in diesem Bereich und betreibt Tokenisierungsfonds auf Basis von Ethereum (ETH). Auch im Segment der digitalen Asset-ETFs spielt der Konzern eine führende Rolle.
Infrastruktur, Kapitalströme und Risiken
Mit einem verwalteten Vermögen von rund 9,1 Billionen US-Dollar positioniert BlackRock die Tokenisierung als Teil einer globalen Infrastrukturstrategie. Ziel ist die Effizienzsteigerung der Finanzmärkte und eine deutliche Verkürzung der Abwicklungszyklen. Laut Fink existieren weltweit etwa 4,1 Billionen US-Dollar in digitalen Wallets und Krypto-Wallets. Durch Tokenisierung könnten diese Vermögenswerte künftig nahtlos in traditionelle Finanzprodukte integriert werden – ein Schritt, der die Marktliquidität erheblich erhöhen könnte.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt allerdings vor Risiken. Automatisierte Abwicklungsprozesse könnten im Falle eines Marktcrashs Kettenreaktionen auslösen und eine gefährliche „Dominoeffekt“-Dynamik in den Finanzmärkten erzeugen. Auch BlackRock betont, dass technologische Innovation allein nicht ausreicht. Für eine breite Akzeptanz der Tokenisierung seien klare Regulierung, verlässliche Infrastruktur und umfassender Anlegerschutz entscheidend.
Fink zieht Parallelen zur Erfolgsgeschichte der ETFs, die durch globale Marktverbindungen maßgeblich zur Effizienzsteigerung beigetragen haben. Der Aufbau von Vertrauen bleibt auch im Tokenisierungszeitalter ein Schlüsselfaktor.

