Die japanische Finanzministerin Katayama Satsuki hat am 5. Januar angekündigt, dass die Regierung die Integration blockchainbasierter digitaler Vermögenswerte in Japans Wertpapier- und Warenterminbörsen aktiv unterstützen wird. Die Erklärung erfolgte im Rahmen der traditionellen Jahreseröffnungszeremonie an der Tokyo Stock Exchange.
Katayama bezeichnete das Jahr 2026 als „Japans digitales Gründungsjahr“ und kündigte eine grundlegende Neuausrichtung des Finanzsystems an. Digitale Vermögenswerte sollen dabei nicht länger als Nischenprodukt betrachtet werden, sondern als fester Bestandteil eines modernisierten Finanzmarktes.
Aufsicht wechselt vom Zahlungsrecht ins Wertpapierrecht
Laut einer Erklärung des Finanzministeriums plant die Regierung, den regulatorischen Rahmen für Kryptowährungen vom bisherigen Zahlungsdiensterecht in das Wertpapierrecht zu überführen. Damit würden digitale Vermögenswerte erstmals systematisch in das bestehende Finanzmarktregime integriert.
In diesem Zuge sollen insgesamt 105 Kryptowährungen, darunter Bitcoin und Ethereum, offiziell als Finanzinstrumente neu klassifiziert werden. Ziel ist eine stärkere Vereinheitlichung der Regulierung sowie ein höheres Maß an Rechtssicherheit für Marktteilnehmer.
Japan is going all in on crypto
The country plans to cut crypto capital gains from 55% to 20% in 2026
Japan's finance minister is promoting crypto integrations into the national finance system
This is just the beginning. pic.twitter.com/fLcXUZ9WWw
— Lark Davis (@LarkDavis) January 5, 2026
Steuerreform: 20 % Abgeltungssteuer und Verlustvortrag geplant
Parallel zur regulatorischen Neuordnung arbeitet die Regierung an einer umfassenden Steuerreform für digitale Vermögenswerte. Vorgesehen ist die Einführung einer pauschalen Abgeltungssteuer von 20 Prozent auf Krypto-Gewinne. Zudem sollen Verluste aus Krypto-Transaktionen künftig bis zu drei Jahre vorgetragen werden können.
Die Reform würde einen klaren Bruch mit dem bisherigen, als komplex geltenden Besteuerungssystem darstellen und sowohl den Anlegerschutz als auch die Marktaktivität stärken.
Stablecoins und institutionelle Einbindung gewinnen an Bedeutung
Die japanische Finanzaufsicht, die Financial Services Agency, hat bereits den Yen-basierten Stablecoin JPYC genehmigt. Zusätzlich ist die Einführung eines weiteren Stablecoins geplant, der vom US-Fintech Ripple ausgegeben werden soll.
Große Finanzakteure wie die SBI Group bereiten sich bereits auf das neue Regulierungsumfeld vor und treiben unter anderem ETF-Anträge und Stablecoin-Projekte voran.
Transparenz, Wettbewerbsfähigkeit und Marktöffnung
Vor dem Hintergrund anhaltender Deflationstendenzen und der wachsenden globalen Bedeutung digitaler Vermögenswerte positioniert das Finanzministerium Kryptowährungen als Bestandteil der nationalen Wachstumsstrategie. Digitale Assets sollen künftig innerhalb bestehender Banken- und Wertpapierkanäle gehandelt werden, gleichgestellt mit traditionellen Finanzprodukten.
Durch die Nutzung bestehender Börseninfrastruktur will die Regierung Transparenz, Liquidität und Anlegerschutz erhöhen und zugleich den Zugang zum Massenmarkt erleichtern. Konkrete Einführungstermine nannte Katayama zwar nicht, bestätigte jedoch, dass Aufsichtsbehörden und Finanzinstitute bereits mit der Vorbereitung entsprechender Anträge begonnen haben.
Mit diesem strategischen Kurswechsel könnte sich Japan von einem vorsichtig regulierenden Markt zu einem aktiven Gestalter des globalen Digital-Asset-Sektors entwickeln.
