Eine neue Studie der FINRA zeigt: US-Anleger kehren dem Markt nicht massenhaft den Rücken, doch ihre Bereitschaft, neue Risiken einzugehen, nimmt deutlich ab. Diese Veränderung der Risikobereitschaft sagt derzeit mehr über die Marktstimmung aus als reine Kursbewegungen.
Weniger Lust auf Kryptowährungen trotz stabiler Bestände
Laut der jüngsten Umfrage der FINRA Foundation blieb der Anteil der US-Investoren mit Krypto-Engagement zwischen 2021 und 2024 mit 27 Prozent konstant. Gleichzeitig ging jedoch der Anteil derjenigen, die planen, Kryptowährungen zu kaufen oder ihre Positionen aufzustocken, deutlich zurück. Von 33 Prozent im Jahr 2021 fiel der Wert auf nur noch 26 Prozent im Jahr 2024.
Das bedeutet: Viele Amerikaner verkaufen ihre Krypto-Bestände nicht, zeigen aber deutlich weniger Enthusiasmus als während des Post-Covid-Booms. Angesichts von Unsicherheiten rund um Zinsen, Inflation und Wirtschaftswachstum entscheiden sich viele Privatanleger dafür, bestehende Positionen zu halten oder Kapital in als stabiler wahrgenommene Anlageklassen umzuschichten.
Krypto gilt zunehmend als riskante Anlageklasse
Die Wahrnehmung von Risiken spielt dabei eine zentrale Rolle. Laut FINRA betrachten inzwischen 66 Prozent der Befragten Kryptowährungen als riskante Investition – gegenüber 58 Prozent im Jahr 2021. Gleichzeitig sind rund 30 Prozent der Anleger der Meinung, dass hohe finanzielle Ziele ohne erhebliche Risiken kaum erreichbar sind. Bei den unter 35-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 50 Prozent.
Von einer vollständigen Abkehr von Kryptowährungen kann daher keine Rede sein. Vielmehr zeichnet sich ein vorsichtigeres Verhalten ab, bei dem Risiken genauer abgewogen und eine angemessene Rendite erwartet wird.
Sinkende Risikobereitschaft trifft besonders junge Anleger
Die Studie zeigt zudem einen allgemeinen Rückgang der Risikobereitschaft. Der Anteil der Investoren, die bereit sind, ein hohes Risiko einzugehen, sank zwischen 2021 und 2024 um vier Prozentpunkte auf nur noch acht Prozent. Besonders deutlich ist der Rückgang bei den unter 35-Jährigen, wo dieser Wert um neun Punkte auf 15 Prozent fiel.
Das markiert einen deutlichen Stimmungsumschwung. Während der Jahre 2020 und 2021 galt diese Altersgruppe als treibende Kraft hinter spekulativen Trendthemen wie Tech-Aktien, Optionen, Meme-Stocks und Kryptowährungen. Nach starken Markt-korrekturen und hoher Volatilität scheint bei vielen ein Lerneffekt eingesetzt zu haben.
Spekulation lebt – aber nur in einer Minderheit
Ganz verschwunden ist die Lust auf spekulative Wetten allerdings nicht. Rund 13 Prozent der Investoren geben an, Meme-Coins oder andere virale Anlageformen gekauft zu haben. Bei den unter 25-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei fast einem Drittel.
Damit existieren zwei Strömungen parallel: Eine kleinere Gruppe setzt weiter auf schnelle Gewinne, während die Mehrheit zu einer vorsichtigeren, risikoärmeren Anlagestrategie übergeht – auch im Kryptomarkt.
Zufluss neuer Anleger geht deutlich zurück
Besonders relevant für den Kryptomarkt ist der Rückgang neuer Marktteilnehmer. Nur noch acht Prozent der Befragten begannen in den zwei Jahren vor 2024 erstmals zu investieren. Im Jahr 2021 lag dieser Wert noch bei 21 Prozent, als Trading-Apps und günstige Zinsen einen regelrechten Anlegerboom auslösten.
Die FINRA stellt fest, dass der Anteil der unter 35-Jährigen mit Investments inzwischen wieder auf dem Niveau von 2018 liegt. Viele junge Anleger, die während der Pandemie neu eingestiegen sind, haben den Markt wieder verlassen – nicht selten nach schmerzhaften Erfahrungen mit stark schwankenden Anlagen wie Kryptowährungen.
Folgen für Bitcoin, Ethereum und den Gesamtmarkt
Für den Kryptomarkt ist dieser Trend nicht zu unterschätzen. Weniger neue Anleger bedeuten weniger frisches Kapital für Bitcoin, Ethereum und Altcoins. Preisentwicklung und Handelsvolumen hängen zunehmend von bestehenden Investoren, institutionellem Kapital sowie regulierten Produkten wie Krypto-ETFs ab.
Die Hoffnung auf eine schnelle Massenadoption durch US-Privatanleger scheint vorerst auf Eis zu liegen.

