In Australien erreicht das Katz-und-Maus-Spiel mit Cyberkriminellen einen neuen Höhepunkt: Die Behörden schlagen Alarm, weil Betrüger die staatliche Plattform ReportCyber, eigentlich zur Meldung von Cyberkriminalität gedacht, missbrauchen, um Krypto-Anleger zu bestehlen.
Laut der Australischen Bundespolizei (AFP) haben die Täter bereits zahlreiche Wallets geplündert. Die Polizei ruft die Krypto-Community dringend zu erhöhter Wachsamkeit auf.
So funktioniert die neue Masche der Betrüger
ReportCyber soll Bürgern ermöglichen, Cyberdelikte zu melden – auch durch Dritte, die im Namen der Opfer Fälle anlegen dürfen. Genau diese Funktion nutzen Kriminelle nun aus, wie die Behörden mitteilen.
Zunächst legen die Täter ein offizielles Fallprotokoll an, indem sie mit Hilfe gestohlener persönlicher Daten – Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern und mehr – einen vollständigen Datensatz erstellen. Solche Daten stammen häufig aus Datenlecks oder Hacks.
Anschließend rufen die Betrüger ihre Opfer an und geben sich als AFP-Beamte aus. Sie behaupten, dass der gemeldete Fall nun von den Behörden bearbeitet werde, und übermitteln sogar eine echte Fallnummer, die sich im ReportCyber-System tatsächlich wiederfinden lässt.
Kurz darauf kontaktieren die Täter die Opfer erneut – diesmal als angebliche, zertifizierte Krypto-Börse. Unter dem Vorwand, die digitalen Vermögenswerte auf ein sicheres Cold Wallet übertragen zu müssen, fordern sie sensible Zugangsdaten wie Seed Phrases oder Passwörter. Sobald die Opfer diese Informationen preisgeben, räumen die Betrüger die Krypto Wallets leer. Die Methode ähnelt stark einem kürzlich in Wales gemeldeten Fall von Identitätsbetrug.
Australien verschärft den Kampf gegen Kryptokriminalität
Die Behörden betonen, dass echte Polizisten niemals private Schlüssel oder Seed Phrases abfragen. Der aktuelle Fall reiht sich ein in eine Serie von Identitätsmissbräuchen, bei denen sich Betrüger als staatliche Stellen ausgeben.
AUSTRAC have issued Cryptolink an infringement notice, after our Crypto Taskforce identified large cash transactions & weaknesses in their #AMLCTF risk assessments.
Cryptolink has fully cooperated with AUSTRAC. Read the full release here: https://t.co/zV5bTBuNKO pic.twitter.com/eteV4a05JC
— AUSTRAC (@AUSTRAC) October 30, 2025
Australien führt derzeit eine breit angelegte Offensive gegen Kryptokriminalität durch. Neben strengeren Regeln für Krypto-Geldautomaten meldeten die Behörden im August die Schließung von über 3.000 betrügerischen Krypto-Webseiten innerhalb von zwei Jahren.
Im Zuge dieser Maßnahmen geriet auch Binance Australia ins Visier der Aufsichtsbehörde AUSTRAC, die im August ein Audit aufgrund „besorgniserregender Kontrolllücken“ anordnete. Gleichzeitig kündigte die Behörde eine Überarbeitung der Anti-Geldwäsche-Regeln an – mit klarem Fokus auf Kryptowährungen, die AUSTRAC weiterhin als erhebliches Risiko einstuft.
