Die italienischen Banken haben offiziell ihre Unterstützung für das von der Europäischen Zentralbank (EZB) geführte Projekt eines digitalen Euro erklärt. Dennoch mahnen sie zu Vorsicht: Die hohen Kosten der Umsetzung könnten zur Belastung werden und sollten über mehrere Jahre verteilt werden.
Bei einer Pressekonferenz in Florenz bestätigte Marco Elio Rottigni, Generaldirektor des italienischen Bankenverbands (ABI), die Position der Mitgliedsbanken:
„Wir befürworten den digitalen Euro, da er die Idee einer europäischen digitalen Souveränität verkörpert.“
Für die italienischen Finanzinstitute stellt das Projekt eine strategische Chance dar, die finanzielle Unabhängigkeit der Europäischen Union zu stärken – sowohl gegenüber privaten Zahlungsriesen wie Visa und Mastercard als auch gegenüber staatlich gestützten digitalen Währungen wie dem E-Yuan aus China.
Hohe Kosten als größte Herausforderung
Trotz der grundsätzlichen Zustimmung sehen die Banken große Hürden bei der technischen und regulatorischen Umsetzung. Rottigni warnte:
„Die Kosten des Projekts sind enorm, insbesondere im Vergleich zu den bereits bestehenden Investitionsanforderungen des Sektors. Diese müssen über die Zeit gestreckt werden.“
Seine Kommentare kommen zu einem Zeitpunkt, an dem sich auch einige französische und deutsche Banken kritisch äußern. Sie befürchten, dass eine von der EZB unterstützte digitale Brieftasche für Privatkunden die Einlagen aus den Geschäftsbanken abziehen könnte.
✨ 𝗘𝘂𝗿𝗼 𝗱𝗶𝗴𝗶𝘁𝗮𝗹𝗲: 𝗶𝗹 𝗽𝗿𝗼𝗴𝗲𝘁𝘁𝗼 𝗽𝗮𝘀𝘀𝗮 𝗮𝗹𝗹𝗮 𝗻𝘂𝗼𝘃𝗮 𝗳𝗮𝘀𝗲!
Il Consiglio direttivo della Banca Centrale Europea @ecb ha deciso che il 1° novembre l'Eurosistema passerà alla nuova fase del progetto euro digitale. L’obiettivo è la realizzazione… pic.twitter.com/zOTzq5NorR— Ufficio Stampa della Banca d'Italia (@UfficioStampaBI) October 30, 2025
Rottigni plädierte daher für eine „doppelte Herangehensweise“ – eine Kombination aus dem EZB-Euro und digitalen Währungen, die von Geschäftsbanken ausgegeben werden. „Was Europa auf keinen Fall tun darf, ist, den Anschluss zu verlieren“, fügte er hinzu.
EZB hält an Zeitplan fest – Pilotphase ab 2027
Trotz der Bedenken hält die EZB an ihrem Fahrplan fest. Auf der Sitzung des EZB-Rats am 29. und 30. Oktober in Florenz wurde der Übergang in die nächste Projektphase beschlossen. Eine Pilotphase ist für 2027 geplant, während der vollständige Start derzeit für 2029 vorgesehen ist – vorausgesetzt, die europäische Gesetzgebung wird 2026 verabschiedet.
Der EU-Abgeordnete Fernando Navarrete, der die Prüfung des Vorschlags im Parlament leitet, präsentierte kürzlich einen Berichtsentwurf, der eine „abgespeckte“ Version des digitalen Euro empfiehlt, um private Zahlungssysteme wie Wero – ein Gemeinschaftsprojekt von 14 europäischen Banken – zu schützen.
Technologische Partnerschaften zur Vorbereitung der Infrastruktur
Zur Vorbereitung hat die EZB bereits Verträge mit sieben Technologieunternehmen abgeschlossen. Diese decken Schlüsselbereiche ab wie Betrugsprävention (Feedzai), Zahlungssicherheit (Giesecke+Devrient), sichere Datenübertragung und Softwareentwicklung für die CBDC-Infrastruktur.
Laut EZB sollen die beteiligten Unternehmen auch Funktionen wie eine sogenannte „Alias-Suche“ entwickeln, mit der Nutzer Zahlungen senden oder empfangen können, ohne den Zahlungsdienstleister oder die Offline-Fähigkeiten des Empfängers kennen zu müssen.

