Der Kryptomarkt befindet sich in einer Phase der Unsicherheit. Während einige Marktbeobachter bereits für 2025 ein mögliches Zyklusende erwarten, sehen andere die Grundlagen für einen neuen Aufschwung, der sich ab 2026 durchsetzen könnte. Zwischen diesen beiden Thesen ist Disziplin gefragt, denn jenseits der Meinungen liefern objektive Indikatoren wertvolle Hinweise für die Einordnung der aktuellen Marktphase.
Wo steht der Zyklus? Halving, Liquidität und Marktstruktur
Traditionell orientieren sich Kryptomarktzyklen am Bitcoin-Halving und an den globalen Liquiditätsbedingungen. Nach jeder Reduzierung der BTC-Emission folgt häufig eine optimistische Phase, die später abflacht. Doch einfache Muster aus der Vergangenheit lassen sich nicht mehr eins zu eins übertragen. Institutionelle Investoren, neue Finanzprodukte wie ETFs und strengere Regulierungen verändern die Dynamik.
Auch die globale Liquidität spielt eine Schlüsselrolle. Lockerere Finanzierungsbedingungen beflügeln risikoreiche Anlagen, während eine restriktive Geldpolitik die Risikobereitschaft dämpft. Ausschlaggebend sind daher Zinskurven, Erwartungen an die Geldpolitik und die Kapitalflüsse in Bitcoin– und Ethereum-Produkte. Gleichzeitig haben sich durch ETFs und institutionelle Accounts stabilere Nachfragequellen entwickelt, die jedoch neue Formen der Event-Volatilität schaffen. Makrodaten, Zentralbankentscheidungen und regulatorische Nachrichten können plötzliche Marktbewegungen auslösen.
Bitcoin weekly Bollinger Bands are officially the tightest in the entire history of BTCUSD price action pic.twitter.com/XWNYkquVXP
— Tony "The Bull" Severino, CMT (@TonyTheBullCMT) September 23, 2025
Die Signale für ein Zyklusende 2025
Ein erstes Szenario geht davon aus, dass 2025 eine Verteilungsphase einleitet. Hinweise darauf liefern eine nachlassende Kaufdynamik nach dem bisherigen Anstieg, Divergenzen zwischen Kursen und On-Chain-Aktivitäten sowie die Kapitalrotation hin zu Large Caps, die oft als Zeichen erhöhter Vorsicht gelten.
Makroökonomische Risiken könnten diese These stützen: Anhaltend hohe Inflation, längerfristig erhöhte Zinsen oder eine schwächelnde Konjunktur würden risikobehaftete Anlagen zusätzlich belasten. In diesem Umfeld könnte die Volatilität steigen und die Korrelation mit Aktienmärkten wieder zunehmen. Der Markt würde damit die Übertreibungen abbauen, bevor er in eine längere Seitwärtsphase übergeht.
Bitcoin: There has been a clear downtrend in volatility since inception.
For the decay function (AKA diminishing returns of the peaks) to change, we would need to see a reversal in this volatility downtrend pattern.
To date, there are no signs of such a reversal.
Therefore,… https://t.co/OJUONLUeNl
— PlanC (@TheRealPlanC) September 25, 2025
Argumente für einen Vor-Bull Run 2026
Das Gegenmodell sieht 2025 als Phase konstruktiver Konsolidierung, gefolgt von einem nachhaltigen Aufschwung im Jahr 2026. Katalysatoren hierfür sind die fortschreitende Reifung von ETFs, Verwahrungslösungen und Bankintegrationen sowie die wachsende Bedeutung von Stablecoins und Tokenisierung in der Realwirtschaft. Diese Entwicklungen schaffen stabilere Kapitalflüsse, die weniger spekulativ und damit widerstandsfähiger sind.
Zudem verbessert sich die Lernkurve neuer Marktteilnehmer: Unternehmen professionalisieren ihr Risikomanagement, Regulierer schaffen klarere Rahmenbedingungen, und Marktakteure agieren disziplinierter. Dadurch werden extreme Euphoriephasen seltener, und Korrekturen fallen weniger heftig aus. Sollte die US-Notenbank im kommenden Jahr eine lockerere Geldpolitik einschlagen, könnte dies die Basis für einen neuen Bull Run im Jahr 2026 legen.
In Bitcoin, it always pays to zoom-out.
The 365-day SMA reveals very well-defined, curvilinear bubbles or waves.
Compared to the power law regression line, the SMA has only just begun to push slightly above 1 (1 = trendline) since mid-year this year. All historical bubbles have… pic.twitter.com/IcA43b7xpN
— Sminston With (@sminston_with) September 24, 2025
Zwischen den Szenarien: Welche Indikatoren wirklich zählen
Statt sich auf eine These festzulegen, raten Experten zur Beobachtung von vier zentralen Indikatorgruppen. Kapitalflüsse in Investmentprodukte, Spot- und Derivatevolumina, Bitcoin Futures Handel sowie die Rolle der Stablecoins geben Einblicke in die Marktstimmung. Finanzierungsbedingungen, Zinserwartungen und die Dollarstärke sind entscheidend für die Liquidität. On-Chain-Daten wie Nutzeraktivität oder Protokolleinnahmen liefern Hinweise auf die tatsächliche Nutzung. Technische Analysen der langfristigen Trends und Marktstrukturen ergänzen das Bild.
Ein klarer Trend ergibt sich dann, wenn mehrere dieser Indikatoren gleichzeitig kippen. Solange die Signale widersprüchlich bleiben, ist Geduld gefragt. Denn abrupte politische Änderungen oder makroökonomische Schocks können die Richtung jederzeit ändern.
