Zwei führende Vertreter der US-Notenbank Federal Reserve, Raphael Bostic und Alberto Musalem, haben die Hoffnung auf eine Serie von Zinssenkungen gedämpft. Trotz des ersten Schrittes von 25 Basispunkten in der vergangenen Woche sehen sie derzeit keinen Spielraum für weitere Maßnahmen im Jahr 2025. Der kurzfristige Aufwärtstrend am Kryptomarkt kam damit abrupt zum Stillstand.
Bostic und Musalem warnen vor überzogenen Erwartungen
Raphael Bostic betonte, dass er nur eine einzige Senkung für angemessen halte – mehr sei in diesem Jahr nicht realistisch. Auch wenn er 2025 nicht im FOMC stimmberechtigt ist, wiegt seine Einschätzung schwer: Die anhaltend hohe Inflation zwingt zur Vorsicht.
Noch klarer äußerte sich Alberto Musalem, der im Gegensatz zu Bostic ein Stimmrecht besitzt. Er sieht die Zinsen aktuell „zwischen moderat restriktiv und neutral“ und würde nur dann für weitere Senkungen stimmen, wenn der Arbeitsmarkt deutliche Schwächen zeigt. Eine automatische Lockerung steht damit nicht auf der Agenda.
September-Senkung nur „Risikomanagement“
Der Schritt von vergangener Woche senkte den Leitzins auf 4,00–4,25 %. Fed-Chef Jerome Powell nannte dies eine „Risikomanagement-Maßnahme“ – kein Signal für einen breiten Zinssenkungszyklus. Ziel ist es, den Arbeitsmarkt zu entlasten, ohne die Inflation erneut anzuheizen. Für risikobehaftete Anlagen wie Kryptowährungen bedeutet das: begrenzte Liquiditätszuflüsse, aber keine garantierte Lockerungswelle.
Bitcoin: Von Euphorie zurück zur Realität
Die unmittelbare Reaktion am Kryptomarkt war heftig: Bitcoin sprang über 117.000 US-Dollar, getragen von der Hoffnung auf einen neuen Lockerungszyklus. Doch das Momentum hielt nicht an. Aktuell pendelt BTC um 112.000–113.000 US-Dollar – ein klares Signal, dass eine einzelne Zinssenkung ohne klaren Ausblick wenig nachhaltigen Effekt hat.
Die Volatilität bleibt gedämpft, und während Bitcoin noch als sicherer Hafen innerhalb der Kryptoszene gilt, zeigen Altcoins stärkere Ausschläge bei jeder Fed-Kommunikation.
Markt blickt auf Oktober-Entscheidung
Trotz der skeptischen Töne preisen die Märkte mit fast 90 % Wahrscheinlichkeit eine weitere Zinssenkung im Oktober ein. Diese Erwartung könnte jedoch jederzeit kippen, abhängig von neuen Inflations- und Arbeitsmarktdaten. Das nächste FOMC-Meeting ist für den 28.–29. Oktober angesetzt. Bis dahin werden Veröffentlichungen zu PCE, CPI und NFP entscheidend für die Marktrichtung.
Powell hat klar gemacht: Die Zinssenkung im September war kein Auftakt zu einer Serie, sondern ein einmaliger Balanceakt. Solange dieser Kurs gilt, bleibt der Kryptomarkt stark datengetrieben und schwankt zwischen Hoffnungen auf Lockerung und der Realität hartnäckiger Inflation.

